Willich soll Riga-Komitee beitreten: SPD-Antrag angenommen

Der Ausschuss für Kultur und Brauchtum hat am 13. Oktober 2026 einen Antrag der SPD-Fraktion einstimmig angenommen: Die Stadt Willich soll Mitglied im Deutschen Riga-Komitee werden. Die Verwaltung soll nun die notwendigen Schritte für den Beitritt über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einleiten.

Anlass für unseren Antrag ist ein Datum, das sich in diesem Jahr zum 85. Mal jährt. Am 11. Dezember 1941 wurden 21 Jüdinnen und Juden aus den damaligen Willicher Altgemeinden nach Riga deportiert. Unter ihnen befanden sich auch zwei Kinder. Nach den Recherchen, die unserem Antrag zugrunde liegen, überlebte von den 21 deportierten Menschen aus Willich nur der Schiefbahner Werner Rübsteck den Holocaust.

Bernd-Dieter Röhrscheid brachte den Antrag auf den Weg

Die Initiative für den Antrag kam aus unserer Fraktion von Bernd-Dieter Röhrscheid. Im Kulturausschuss erinnerte er auch an das Schicksal der Familie Schönewald aus Schiefbahn. An die Familie erinnern heute Stolpersteine.

„Die Menschen, die damals aus unserer Stadt verschleppt wurden, dürfen nicht zu anonymen Zahlen werden. Sie gehörten zu Willich und zu unseren damaligen Gemeinden. Deshalb ist es richtig, ihre Namen und ihre Geschichten auch 85 Jahre später im Gedächtnis unserer Stadt zu bewahren“, erklärt Röhrscheid.

Unser Antrag wurde kurzfristig für die Sitzung des Kulturausschusses eingebracht, damit der Beitritt möglichst noch vor dem 85. Jahrestag der Deportation am 11. Dezember erfolgen kann.

Was ist das Deutsche Riga-Komitee?

Das Deutsche Riga-Komitee wurde im Jahr 2000 gegründet. Es verbindet Städte, aus denen während der nationalsozialistischen Herrschaft jüdische Bürgerinnen und Bürger nach Riga deportiert wurden. Inzwischen gehören dem Bündnis weit über 80 Städte an. Zu den Mitgliedern aus der Region zählen unter anderem Viersen, Krefeld und Mönchengladbach.

Das Komitee beschäftigt sich nicht nur mit dem Gedenken an die Opfer. Ein wichtiger Bestandteil ist die Bildungsarbeit mit jungen Menschen. Der Volksbund organisiert beispielsweise Projekte und Reisen nach Riga, bei denen Jugendliche sich mit der Geschichte der Deportationen und des Holocaust auseinandersetzen.

Auch dieser Aspekt war für unseren Antrag wichtig. Eine Mitgliedschaft kann Willicher Schulen zusätzliche Möglichkeiten für Bildungsprojekte, Gedenkstättenfahrten und die Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte eröffnen. Genau diese Verbindung zwischen lokaler Erinnerung und heutiger Bildungsarbeit ist ausdrücklich Bestandteil unseres Antrags.

Erinnerungskultur gehört auch nach Willich

Für uns ist der geplante Beitritt deshalb mehr als ein formaler Schritt. Die Geschichte der 21 deportierten Willicherinnen und Willicher ist Teil unserer Stadtgeschichte.

Mit dem Beitritt zum Riga-Komitee kann Willich die bestehende lokale Erinnerungskultur weiter stärken und zugleich ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz setzen. Genau dieses Ziel hat die SPD-Fraktion auch in der Begründung ihres Antrags formuliert.

Wir freuen uns deshalb über die einstimmige Zustimmung im Kulturausschuss und darüber, dass die Initiative von Bernd-Dieter Röhrscheid nun von allen politischen Kräften im Ausschuss getragen wird.

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